Was erreicht man mit kognitivem Training: Prof. Dr. Michael Falkenstein im Interview
Herr Prof. Dr. Michael Falkenstein koordiniert die Alternsforschung am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund. In den letzten 4 Jahren führte er das Projekt „PFIFF“ durch. Das Ziel dieses Projektes war es Möglichkeiten für ältere Arbeitnehmer zu finden, die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit länger zu erhalten und zu fördern.
Gemeinsam mit ihm entwickelt NeuroNation spezielle Software, die in Studien sowie in Praxen und Kliniken eingesetzt werden kann. Die gewonnen Erkenntnisse und Verbesserungen fließen anschließend in NeuroNation.de ein, um ein noch tiefgreifenderes personalisiertes Training mit besserer Auswertung und mehr Übungen zu ermöglichen. So wurde zuletzt auch die Übung Mustermerker gemeinsam entwickelt.
Wir freuen uns einen so renommierten Professor bei NeuroNation interviewen zu dürfen.
Das Interview mit Professor Falkenstein
NeuroNation: Guten Tag Herr Professor Falkenstein. Bitte stellen Sie sich und Ihre Arbeit kurz vor.
Prof. Falkenstein: Ich bin Mediziner, Psychologe und Ingenieur. Mein Interesse gilt Veränderungen der Wahrnehmung und des Denkens im Alter, welche Veränderungen von Gehirnfunktionen damit einher gehen, welche Bedeutung diese Veränderungen für die Arbeit haben, und wie man solche Veränderungen positiv beeinflussen kann.
NeuroNation: Sie haben das PFIFF-Projekt ins Leben gerufen. Erklären Sie uns bitte kurz, was das Ziel des Projekts war und warum Sie NeuroNation Übungen dafür als geeignet halten?
Prof. Falkenstein: Ziel von PFIFF war es, die mentale Leistungsfähigkeit älterer Beschäftigter zu messen und durch verschiedene Maßnahmen zu verbessern. Spiele aus NeuroNation wurden zu Hause geübt, weil NeuroNaton sehr einfache und dennoch motivierende Übungen enthält und zudem fast kostenlos ist.
NeuroNation: Waren die Erkenntnisse aus dem Projekt überraschend für Sie?
Prof. Falkenstein: Die ungünstigen Veränderungen bei älteren Beschäftigten mit langjähriger monotoner Arbeit waren für uns nicht überraschend. Erfreulich war, dass wir durch kognitives Training viele mentale Funktionen dieser Beschäftigten verbessern konnten. Überraschend war, dass sich dies auch in einer Normalisierung veränderter Hirnstromkurven zeigte. Dies heißt, dass verringerte Hirnstrompotenziale durch das Training z.T. wieder normal groß wurden.
NeuroNation: Was können Menschen durch kognitives Training erreichen und wer sollte sich damit beschäftigen?
Prof. Falkenstein: Viele Menschen können durch ein gezieltes kognitives Training bestimmte mentale Funktionen verbessern. Besonders gut trainierbar sind die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung, Konzentration, Aufmerksamkeit und räumliches Denken. Insbesondere Ältere, die schon leichte Einbußen in diesen Funktionen haben, profitieren von Training.
NeuroNation: Wie sieht ein optimales Training am Computer aus? Was sollte man dabei beachten?
Prof. Falkenstein: Es muss gezielt wichtige kognitive Funktionen trainieren, und dabei möglichst mehrere zugleich, es muss adaptiv sein, d.h. sich stetig an die Leistung des Spielers anpassen, und es muss Spaß machen.
[In unserem Artikel "Was nützt mir Gehirntraining?" sind wir genau auf dieses Thema eingegangen.]
NeuroNation: Welche Übungen auf NeuroNation halten Sie aus wissenschaftlicher Sicht für besonders wertvoll?
Prof. Falkenstein: Als besonders positive Beispiele will ich hervorheben Blitzblick, welches visuelle Suche, Flexibilität, Verarbeitungsgeschwindigkeit und psychomotorische Koordination trainiert und Farbverwirrung, welches visuelle Suche, Ablenkresistenz und Verarbeitungsgeschwindigkeit trainiert.
NeuroNation: Woran forscht die Wissenschaft aktuell und was kann uns die Zukunft bringen?
Prof. Falkenstein: Es wird zum Beispiel erforscht, welche Funktionen sich insbesondere durch kognitives Training verändern und welche kaum. In Zukunft sollte erforscht werden, welche Trainingskenngrößen, z.B. Art, Intensität und Dauer des Trainings den Erfolg beeinflussen.Wir selbst wollen demnächst untersuchen, inwiweit eine Kombination von körperlichem und mentalem Training stärkere Verbesserungen mentaler Funktionen erbringt als nur mentales Training.
Kognitives Training erbringt stabile Verbesserungen wichtiger mentaler Funktionen, kontinuierliches Training vorausgesetzt. Verbesserte mentale Funktionen gehen in aller Regel mit Verbesserungen im Alltagsleben einher, z.B. einer besseren Eigenständigkeit Älterer.
NeuroNation: Wo sehen Sie kognitives Training in zehn Jahren? Welchen Platz wird es in der Gesellschaft einnehmen?
Prof. Falkenstein: Kognitives Training wird weiter verbreitet sein als heute, und v.a. Ältere werden sich mehr PC-basiertem Training zuwenden. Man könnte sich vorstellen, dass Menschen in Seniorenheimen mehr zu vielschichtigem kognitivem Training angeleitet werden, welches über reines Gedächtnistraining hinaus geht. Zugleich würden die Menschen dadurch Erfahrungen mit PCs machen.
NeuroNation: Herzlichen Dank für das Interview, Herr Professor Falkenstein.
Wenn Sie Fragen an Herrn Professor Falkenstein haben, schreiben Sie sie einfach in die Kommentare unten.
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visuelle, räumliche Wahrnehmungs-
störungen nach Schlaganfall. Trainings Vorschlag?