Langzeitstudie: Ältere Senioren können geistige Leistung steigern

Ältere Menschen sind die am stärksten wachsende Bevölkerungsschicht in den westlichen Gesellschaften. Neben der persönlichen Erwartungshaltung ist das wohl ein sehr bedeutendes Argument dafür, dass alles dafür getan werden sollte, um bis ins hohe Alter fit zu bleiben.

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Was die geistigen Fähigkeiten anbelangt, so ist ein kognitives Training einer der wichtigsten Ansatzpunkte, um die gute Denkleistung so lange wie möglich zu erhalten. Das fanden die US-amerikanischen Hirnforscher S.L.Willis und S.Nesselroade bereits Ende der 80er Jahre mit ihrer Studie "Long-term Effects of Fluide Ability Training in Old-Old Age" heraus.

Verbesserung der geistigen Fitness in 3 Trainingsphasen

Die Studie lief über einen Zeitraum von 7 Jahren (1979 bis 1986) und fokussierte insbesondere die Fähigkeiten, die mit dem logischen Denken in Zusammenhang stehen. Die Teilnehmer der Studie glichen sich sowohl in Alter, Bildungsniveau, Gesundheit, Seh-, und Hörvermögen. Insgesamt gab es 3 Trainingsphasen, die unterschiedliche Aspekte ermitteln sollten:

  • Trainingsphase I (Von 1979 bis 1980): Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 69 Jahre alt, genau das Alter, in dem sich der altersbedingte geistige Abbau schon bemerkbar macht. In dieser Phase wurde die Steigerung des mentalen Denkvermögens durch das Training untersucht.
  • Trainingsphase II (1981): Die Teilnehmer waren nun Anfang 70. etwa 1 Jahr nach dem Einführungstraining untersuchten die Wissenschaftler, ob ein weiterführendes Gehirntraining auch größere Zugewinne mit sich bringt.
  • Trainingsphase III (1986): Das Teilnehmeralter betrug im Durchschnitt 76 Jahre. In dieser Phase wurden die Langzeiteffekte ermittelt und untersucht, ob dieses zusätzliche Training für Menschen hohen Alters überhaupt noch förderlich ist.

Typisches Beispiel eines "Figural Relations Tests" ist unsere Übung IQ-Regler:

IQ-Regler

Jede Trainingsphase wurde durch einen Vortest und einen Nachtest begleitet, der die individuelle Entwicklung der Studienteilnehmer dokumentierte. Weiterhin gab es zu jeder Phase eine Kontrollgruppe, die zwar die Tests durchführte aber nicht trainierte. Die Überprüfung der geistigen Fähigkeiten fand in 1. Linie durch einen Logiktest (Figural Relation Test) statt, der verschiedene Aspekte des logischen Denkvermögens untersuchte. So bestanden die Aufgaben beispielsweise aus:

  • Dem Erkennen von Figurenreihen
  • Dem Fortsetzen von Matrizen (siehe auch Artikel Solitaria)
  • Dem Einordnen von Formen
  • Dem Erkennen von räumlichen Strukturen

Figural Relation Tests eignen sich insbesondere dafür, das logische Denkvermögen und die fluide Intelligenz zu erfassen. In früheren Zeiten wurde er bei der Testung von Piloten eingesetzt.

Senioren erzielen deutlichen Anstieg des Denkvermögens

Was die Forscher am meisten interessierte waren (1) das Ausmaß der Steigerung nach jeder Trainingsphase und der Vergleich von Phase zu Phase, sowie (2) die Entwicklung der Leistung von Beginn an, bis hin zum Ende der Studie. Willis und Nesselroade konnten nach jeder Trainingsphase einen deutlichen Anstieg der Merk-, Lern-, und Denkfähigkeit bei der Trainingsgruppe nachweisen. Auch in Bezug auf die Langzeiteffekte konnten die Trainierenden deutliche Steigerungen erzielen. So lag das Leistungsniveau der Senioren zu jedem Zeitpunkt des Experiments über deren Anfangsfähigkeit auch noch 5 Jahre nach dem letzten Trainingsintervall. Ebenso senkte sich die Fehlerquote in den Tests um bis zu 20 Prozent, ganz im Gegensatz zur Kontrollgruppe, die sich gar nicht oder nur ein wenig verbesserte.

Entwicklung der PunktzahlenDie Wissenschaftler fanden weiterhin heraus, dass:

  • Die größte Steigerungsspanne in dem 1. Trainingsintervall erreicht werden konnte.
  • Das beste Ergebnis in Punktzahl und Denkvermögen im 2. Trainingsintervall erzielt wurde.
  • Dass sich Personen, die im Vortest nicht so gute Ergebnisse erreichten stärker verbessern konnten als diejenigen, die bereits sehr gute Fähigkeiten besaßen.

Geistige Plastizität bleibt auch noch im hohen Alter erhalten

Noch immer wird das geistige Denkvermögen im hohen Alter zu wenig untersucht. So machten auch Willis und Nesselroade darauf aufmerksam, dass die Forschung diesem Thema mehr Beachtung schenken muss. Mit ihrer Studie konnten sie nachweisen, dass die sogenannte "geistige Plastizität" auch noch bei älteren Senioren vorhanden ist. Damit ist die Fähigkeit gemeint, dass Lern- und Leistungspotential unter optimalen Bedingungen ausbauen zu können, sowie einen kognitiven Leistungsgewinn nach einem Training zu erzielen. Viele gesunde Menschen höheren Alters haben demnach die Möglichkeit, über ein gezieltes Gehirntraining an Denkleistung dazu zu gewinnen.

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Quellen:

[1] S. W. Willis und S.Nesselroade (1990), Long-Term Effects of Fluid Ability Training in Old-Old Age, http://www.uwpsychiatry.org/sls/LT%20Eff%20Fluid%20Abty%20Training.pdf

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