Schlaf: Erfrischung für Körper und Geist

Dass Schlaf gesund ist, erscheint den meisten logisch. Wir merken, dass es uns nicht gut geht, wenn wir unter chronischem Schlafmangel leiden. Doch was passiert genau während des Schlafes? Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren große Fortschritte in der Entschlüsselung des Geheimnisses unseres Schlafs gemacht.

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Schlafmangel stresstWenn wir von einer Reise aus Asien oder Amerika zurückkehren, leiden wir oft unter einem Jet-Lag, unser Körper muss sich erst wieder an die neue Zeitzone gewöhnen. In dieser Zeit leiden wir tagsüber oft unter extremer Müdigkeit, da das Gehirn fälschlicherweise denkt, es sei Zeit zu schlafen. Das Gefühl großer Müdigkeit ist den meisten von uns allzu gut bekannt, ebenso wie das ungute Gefühl, dass damit einhergeht. Daher erscheint es den meisten logisch, dass chronischer Schlafmangel ungesund ist. Doch was sind die neurobiologischen Gründe dafür und auf welche Weise schadet uns Schlafmangel?

Schlaf regeneriert unseren Körper

  • Lernen und Gedächtnis: Viele kennen vielleicht das folgende Phänomen noch aus der Schulzeit. Es ist Sonntag, am Montag müssen Sie ein Gedicht vor der Klasse vortragen. Bis spät am Abend pauken Sie dann noch das Gedicht, doch es will einfach nicht so recht hängen bleiben. Auch nach der x-ten Wiederholung vergessen Sie noch Passagen. Erschöpft fallen Sie ins Bett. Am nächsten Morgen stellen Sie dann zu Ihrer Überraschung fest, dass Sie das Gedicht fehlerfrei aufsagen können. In der Psychologie wird dieses Phänomen als Konsolidierung von Wissensinhalten bezeichnet. Während wir Inhalte tagsüber lernen, werden diese im Hippocampus zwischengespeichert. Erst in der Nacht werden diese Inhalte ins Langzeitgedächtnis im Neocortex übertragen. Ohne einen geruhsamen Schlaf fällt es uns folglich schwer, effektiv zu lernen. In einem 2006 im Fachmagazin Sleep Medicine erschienenen Artikel wurde der Effekt von Schlafmangel untersucht. Die Forscher konnten nachweisen, dass Personen, die unter chronischem Schlafmangel litten, in kognitiven Tests bedeutend schlechter abschnitten, als Personen mit normalem Schlaf-Verhalten.
  • Aufmerksamkeit: Stellen Sie sich vor Sie sitzen in einer Besprechung, es ist 17 Uhr und ein langer Arbeitstag liegt bereits hinter ihnen. Vermutlich kennen Sie das Gefühl, dass die Aufmerksamkeit schwindet und Ihre Gedanken langsam abdriften. An dem Beispiel wird deutlich, dass die Ausübung von Aufmerksamkeit ein aktiver Prozess ist, der einer willentlichen Steuerung bedarf. Es kostet also Kraft, sich auf etwas zu konzentrieren, in diesem Fall auf die Inhalte der Besprechung. Diese Fähigkeit wird in der Psychologie als Selbstkontrolle bezeichnet. Selbstkontrolle gleicht einer Batterie, die sich im Laufe des Tages entleert und erst wieder durch einen geruhsamen Schlaf gefüllt wird. Ist der Schlaf zu kurz oder unruhig, sind Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme die Folge am nächsten Tag.

... und unseren Geist

  • Gereiztheit: Eine weitere Funktion von Selbstkontrolle ist die Regulierung unserer Emotionen. Im Alltag widerfahren uns allzu häufig Situationen, die nicht nach unserem Geschmack verlaufen; sei es dass wir in einen Stau geraten, unser Vorgesetzter uns kritisiert oder wir eine Minute nach Ladenschluss zur Postfiliale kommen. In diesen Situationen brauchen wir Selbst-kontrolle, um unsere Emotionen zu kontrollieren. Ohne Selbstkontrolle führen die beschriebenen Situationen dazu, dass unser Geduldsfaden sehr schnell reißt und wir gereizt reagieren. Vielleicht erinnern Sie sich auch noch an Situationen, in denen Sie übermüdet waren und auf eine Kleinigkeit gereizt reagiert haben.

Wie viel Schlaf ist genug?

Bleibt nur noch die Frage zu beantworten, wie viele Stunden pro Nacht Sie denn nun am besten schlafen sollten. Leider hält sich die Wissenschaft aber mit klaren Vorgaben zurück. Das wichtigste ist, dass Sie sich tagsüber ausgeruht fühlen und unter keinem der beschriebenen Symptome leiden. Für die meisten Menschen scheinen dafür mindestens sechs Stunden notwendig zu sein.

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Quellen:

Muraven, M. & Baumeister, R. F. (2000). Self-Regulation and Depletion of Limited Resources: Does Self-Control Resemble a Muscle? Psychological Bulletin, 126 (2), 247-259.

Pearson, V. E., Allen, R. P., Dean, T., Gamablo, C. E., Lesage, S. R., & Earley, C. J. (2006). Cognitive deficits associated with RLS. Sleep Medicine, 7, 25-30.

Walker, M. P. (2009). The Role of Sleep in Cognition and Emotion. The Year in Cognitive Neuroscience 2009, 168-197.

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