Angst – Wann sie gut ist und wann sie unserem Denken schadet

Angst ist eine grundlegende Emotion des Menschen. Sie kann uns sowohl beschützen als auch unser Gehirn lähmen. Über den adäquaten Umgang mit der Angst.

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„Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“
(Franklin D. Roosevelt)
 

Hatte der damalige amerikanische Präsident recht, als er sagte, dass die Furcht selbst das eigentliche Problem ist? Anders gefragt: Ist Angst beziehungsweise Furcht Ursache oder Resultat unserer alltäglichen Probleme? Kann Angst nicht auch eine lebenswichtige Emotion sein, die uns daran hindert, möglicherweise verheerende Entscheidungen zu treffen?

Die Geschichte von Emotionen

Evolution von EmotionenUnsere grundlegenden Emotionen, zu denen auch die Angst gehört, existieren nicht zufällig. Vielmehr sind sie das Produkt der Evolution. Im Laufe der Jahrmillionen haben sich jene Emotionen durchgesetzt, die das Überleben erleichterten. Der Angst kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu. Dafür muss verstanden werden, wie der Körper auf angstauslösende Situationen reagiert.

Kämpfen oder Fliehen

Stellen Sie sich vor, einer Ihrer Vorfahren wurde von einem großen Bären überrascht. Ihr Vorfahre verspürt sofort Angst, zwei Möglichkeiten stehen ihm nun zur Verfügung. Entweder er flieht vor dem Bären oder er kämpft. Auf beide Fälle muss der Körper vorbereitet sein. Unter anderem geht der Puls in die Höhe (mehr Energie wird bereitgestellt), die Pupillen weiten sich (das Sichtfeld wird vergrößert) und die Hände werden feucht (eine Theorie besagt, dass dies evolutionär sinnvoll ist, da dadurch das Aufheben und Werfen von Steinen erleichtert wird). Auch das Denken verengt sich, lediglich die beiden Optionen Kampf und Flucht stehen noch zur Verfügung [1].

Die Zeiten ändern sich

Angst kann in bestimmten Situationen hinderlich seinIn einer oftmals feindlich gesinnten Umwelt war Angst überaus sinnvoll. Seither haben sich die Zeiten grundlegend geändert. Zwar gibt es nach wie vor viele körperlich bedrohliche Situationen, beispielweise im Straßenverkehr, in denen ein wacher und reaktionsbereiter Zustand lebensrettend sein kann. Doch die meisten von uns empfinden auch in solchen Situationen Angst, die körperlich keine Bedrohung darstellen. Sei es der Vortrag bei einer Konferenz, die Matheprüfung in der Schule oder ein Vorstellungsgespräch bei einem möglichen neuen Arbeitgeber. All diese Situationen rufen verständlicherweise Unbehagen aus, schließlich sind potentiell unangenehme Konsequenzen damit verbunden.

Langsame Evolution

Das Problem ist: In erwähnten Situationen ist Angst nicht nur nicht förderlich, sondern kann die Leistung sogar schmälern. Wie oben erwähnt verengt sich der Geist, wenn wir Angst verspüren; an Kreativität ist in solchen Situationen nicht zu denken. Ein weiteres typisches Symptom von Angst ist ein trockener Mund. Jeder, der schon mal mit trockenem Mund versucht hat, einen Vortrag zu halten, weiß, wie hinderlich dies ist. Vereinfacht lässt sich also sagen: Unsere Umwelt hat sich schneller verändert als unsere Emotionen. Während Angst in der Vergangenheit überlebensnotwendig war, hindert sie uns heute in entscheidenden Situationen unser volles Potenzial abzurufen.

4 Tipps können Abhilfe schaffen

Achtsamkeitstraining gegen AngstDie Realität ist zum Glück nicht ganz so düster, wie es vielleicht den Anschein macht. In der Regel gewöhnen wir uns an Situationen, auch an solche, die uns ursprünglich Angst gemacht haben. So ist der zehnte Vortrag meist weniger angsteinflößend als der erste. Dennoch ist situationsunpassende Angst ein großes Problem für viele Menschen. Folgende Tipps können helfen, die Angst zu reduzieren:


1. Atmung kontrollieren: Atmen Sie dazu bewusst durch Ihre Nase in Ihren Bauch und behalten Sie die Luft einige Sekunden dort, bevor Sie durch den Mund ausatmen. Achtsamkeitstraining basiert teilweise ebenfalls auf dieser Erkenntnis [2].
2. Körperliche Symptome anders interpretieren: Die körperlichen Reaktionen, die mit Angst einhergehen, müssen nicht unbedingt als Angst interpretiert werden. Sie können auch als Möglichkeit des Körpers verstanden werden, Ihnen eine extra Portion Energie zu verschaffen. Wie wichtig die richtige Interpretation körperlicher Symptome ist, erfahren Sie hier [3].
3. Vermeiden Sie Koffein in angstauslösenden Situationen: Koffein steigert ebenfalls den Puls und erzeugt das Gefühl von Wachheit. Koffein kann daher das Gefühl von Angst steigern.
4. Teilen Sie sich die Arbeit gut ein: Oftmals entsteht Angst in Folge von Überforderung. Dem Gefühl der Überforderung kann wiederum gut begegnet werden, indem Aufgaben in kleine Arbeitsschritte unterteilt werden und diese Stück für Stück angegangen werden.

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Quellen:

1: Eysenck, M. W. (1992). Anxiety: The cognitive perspective. Hove, England: Erlbaum.

2: Farb, N. A. S., Anderson, A. K., Mayberg, H., Bean, J., McKeon, D., & Segal, Z. V. (2010). Minding One’s Emotions: Mindfulness Training Alter the Neural Expression of Sadness. Emotion, 10(1), 25-33.

3: Keller, A., Litzelman, K., Wisk, L. E., Maddox, T., Cheng, E. R., Creswell, P. D., & Witt, W. P. (2012). Does the perception that stress affects health matter? The association with health and mortality. Health Psychology, 33(5), 677-684.

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