Das Potenzial von Biofeedback – Mit Gedanken den Körper steuern

Wie nervös sind Sie, wie unruhig ist Ihre Atmung und wie angespannt sind Ihre Muskeln? Biofeedback gibt Menschen Rückmeldung über verschiedene Zustände ihres Köpers und ermöglicht dadurch ein gesünderes Leben.

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Die Vermessung der Welt und des Menschen erstrecken sich auf immer weitere Bereiche. In der öffentlichen Wahrnehmung erhalten beispielsweise Fitnessarmbänder viel Aufmerksamkeit. Sie erfassen unter anderem den Puls, das Schlafverhalten (zumindest wird es behauptet) und die an einem Tag zurückgelegte Strecke. Die Annahme dahinter ist, dass es Menschen leichter fällt, ihr Verhalten anzupassen, wenn sie sich über ihr Verhalten im Klaren sind. Mit anderen Worten: Erst wenn ich weiß, dass ich mich an einem Tag bisher kaum bewegt habe, werde ich aktiv und überwinde den inneren Schweinehund. So weit die Theorie.

Direkte Rückmeldung

Sichtbarmachung körperlicher ReaktionenWeniger Interesse hat bisher das sogenannte Biofeedback geweckt. Allgemein bedeutet Biofeedback eine direkte Rückmeldung über körperliche Zustände, die ansonsten dem Bewusstsein verborgen sind. Die Rückmeldung erstreckt sich auf so unterschiedliche Aspekte wie Muskelspannung, Herzschlag und Hirnströme. Auch hier ist die Annahme, dass es Menschen leichter fällt, ihr Verhalten in eine bestimmte Richtung zu lenken, wenn sie Kenntnis über den Ist-Zustand haben.

Vorteile von Biofeedback

Die derzeit größte Beachtung im Biofeedback erhält dabei die Möglichkeit, den mentalen Zustand zu beeinflussen. Beispielsweise können durch Biofeedback versteckte Verspannungen sichtbar gemacht werden, wodurch Körper und Geist entspannt werden und Schmerzen verhindert werden können. Ein Beispiel verdeutlicht diesen Ansatz: Patienten mit chronischen Rückenschmerzen erhalten Sensoren an Muskeln im Rücken [1]. Diese Sensoren sind mit einem Bildschirm verbunden, vor dem die Patienten sitzen. Auf dem Bildschirm sehen Patienten, wie sehr ihre Muskeln angespannt sind. Falls sich die Muskeln zu stark verspannen, erhalten Patienten einen Warnhinweis. Durch diese Methode lernen Patienten, dass sie ihrem Leiden nicht hilflos ausgesetzt sind, sondern gedanklich die Spannung ihrer Muskeln und dadurch ihre Schmerzen steuern können.

Sichtbarmachung unbewusster Zustände

Ausgeglichener durch BiofeedbackBei einer weiteren Anwendung erhalten Patienten einen Sensor an ihren Finger, der den Hautleitwiderstand misst. Der Hautleitwiderstand gibt Auskunft über den Grad der Angespanntheit des sogenannten vegetativen Nervensystems [z. B. 2]. Dabei handelt es sich um den Teil des Nervensystems, der für die Regulation körperlicher Funktionen wie Herzschlag oder Verdauung zuständig ist. Je höher der Grad der Angespanntheit, desto größer ist der Stress für den Körper. Ein chronisch erhöhtes Stresslevel ist dabei für den Körper schädlich. Das Problem ist, dass es Menschen oftmals nicht bewusst ist, was sie stresst, wann sie gestresst sind und wie sich ihr gestresster Körper anfühlt. Insofern können über die Rückmeldung des Hautleitwiderstandes unbewusste Zustände sichtbar gemacht werden. Im nächsten Schritt können Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation oder Achtsamkeitstraining erlernt werden, um den Grad an Angespanntheit nachhaltig zu senken. Das volle Potenzial von Biofeedback wird dabei erst allmählich verstanden. So gibt es erste Ergebnisse, die darauf hindeuten, dass Biofeedback auch bei der Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) wirksam ist.

Fazit: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung

Glücklicher leben durch BiofeedbackBiofeedback scheint ein großes Potenzial zu besitzen, uns ein ausgeglicheneres, gesünderes und glücklicheres Leben zu ermöglichen. Die Forschung steckt dabei noch in den Kinderschuhen.

Zukünftige Forschungen werden dabei der Frage nachgehen müssen, inwiefern verschiedene Methoden miteinander verbunden werden können. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, Gehirntraining mit Neurofeedback zu kombinieren, das eine Rückmeldung über die Gehirnströme beim Bearbeiten verschiedener Aufgaben gibt und es dadurch ermöglicht, die Leistung zu optimieren.

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Quellen:

1: Flor, H., Haag, G., Turk, D. C., & Koehler, H. (1983). Efficacy of EMG biofeedback, pseudotherapy and conventional medical treatment for chronic rheumatic back pain. Pain, 17(11), 21-31.
2: Critchley, H.D., Melmed, R. N., Featherstone, E., Mathias, C. J., & Dolan, R. J. (2001). Brain activity during biofeedback relaxation: a functional neuroimaging investigation. Brain, 124(5), 1003-1012.

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