Die 4 größten Mythen über das Gehirn

Rund um unser Gehirn ranken sich einige Irrtümer. Vier bekannte Mythen - und was sich tatsächlich dahinter verbirgt.

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Trotz des großen und bahnbrechenden Erfolges der systematischen wissenschaftlichen Forschung erweisen sich viele Mythen als hartnäckig. Teilweise ist dies der Tatsache geschuldet, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nur langsam den Weg in die Öffentlichkeit schaffen, teilweise möchten wir auch einfach gerne an die Wahrhaftigkeit bestimmter Annahmen glauben und uns nicht in die Details komplexer Sachverhalte vertiefen. Folgende vier Mythen über das menschliche Gehirn sind besonders verbreitet und bedürfen daher einer Richtigstellung:

Mythos 1: Wir benutzen nur 10% unserer Gehirnkapazität

Wir benutzen unser gesamtes GehirnWer hat nicht schon gehört, dass wir nur einen kleinen Teil unseres Gehirns nutzen? Oftmals wird verbreitet, dass wir nur circa 10% unseres Gehirns verwenden, während der Rest
brachliegt. So verbreitet diese Annahme ist, so falsch ist sie. Dieser Eindruck entsteht, da in bildgebenden Verfahren, wie z.B. in MRTs, zu jedem Zeitpunkt nur ein kleiner Teil des Gehirns aktiv ist. Entscheidend ist jedoch, dass verschiedene Teile zu verschiedenen Zeitpunkten aktiv sind. Der Grund dafür ist, dass unser Gehirn zwar nur 2% unserer Körpermasse ausmacht, jedoch 20% der Energie benötigt. Würde gleichzeitig das gesamte Gehirn aktiviert, so wäre der Energiebedarf größer, als die Energie, die unser Körper zu einem Zeitpunkt zur Verfügung stellen kann [1].

Mythos 2: Jedes Gehirn hat entweder eine rechte oder linke Dominanz

Greifen Sie mit Ihrer Hand zu Ihrer Nase. Welche Hand haben Sie verwendet, die rechte, oder die linke? Mit solchen, oder ähnlichen Tests, wird versucht, herauszufinden, welche Gehirnhälfte dominant ist. Wie genau diese Tests sind, ist nach wie vor umstritten. Auch ist die Dominanz nicht als absolut, sondern als relativ zu verstehen. Eine klare Aussage hinsichtlich der Dominanz der einen oder anderen Gehirnhälfte ist somit nicht so einfach möglich.

Mythos 3: Es gibt ein typisch weibliches und ein typisch männliches Gehirn

Die Gehirne von Frauen sind besonders feinfühlig was zwischenmenschliche Beziehungen angeht. Auch Sprachen liegen dem weiblichen Gehirn besonders. Das männliche Gehirn hingegen besitzt seine Stärken hauptsächlich im Analytischen, sowie im Mathematischen. Wenn Sie diese Aussagen unterschreiben könnten, denken Sie in Stereotypen. Nichts sonst stellen diese Aussagen dar. Aber stimmt es nicht, dass Männer in IQ-Tests in Mathe-Aufgaben, Frauen hingegen in Sprach-Aufgaben besser abschneiden? Doch, allerdings ist das
unterschiedliche Abschneiden nichts weiter als eine Reflektion dieser Stereotype, die wir verinnerlicht haben und die zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Studien konnten zeigen, dass sich die beschriebenen Unterschiede aufheben, wenn Frauen vor einem IQ-Test mit eher männlich assoziierten Begriffen konfrontiert werden. Frauen denken in den folgenden Tests weniger stark, dass sie in mathematischen Aufgaben unterlegen sind und erzielen in der Folge die gleichen Resultate wie Männer [2].

Mythos 4: Das Gehirn ist nicht trainierbar

Das Gehirn wächst mit seinen AufgabenWas Hänschen nicht lernt, lernt Hans niemals mehr. So, oder so ähnlich, denken viele Menschen über das menschliche Gehirn. Die Entwicklung der menschlichen Intelligenz ist ein äußerst komplexes Gebiet und leider nicht nur mit Hans und Hänschen erklärbar. Grundsätzlich lässt sich die menschliche Intelligenz in eine fluide und eine kristalline Komponente unterteilen. Während die kristalline Intelligenz das Faktenwissen (beispielsweise das Wissen über die Hauptstädte dieser Erde) beschreibt, das wir uns im Laufe unseresLebens aneignen, bezieht sich die fluide Intelligenz auf Denkprozesse, die wir für das Lösen von Problemen benötigen, wie beispielsweise schlussfolgerndes Denken. Die kristalline Intelligenz lässt sich ein Leben lang steigern, wie man an Persönlichkeiten wie dem kürzlich verstorbenen Helmut Schmidt sieht. Bis vor einigen Jahren galt es als gesicherte Erkenntnis, dass die fluide Intelligenz ab Mitte 20 stetig abnimmt. Neuere Forschungen konnten hingegen zeigen, dass wir auch unsere fluide Intelligenz im Alter mit bestimmten Techniken steigern können [3]. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen entwickelt NeuroNation sein personalisiertes Gehirntraining.

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Quellen:

1: Rolfe DFS & Brown GC. (1997) Cellular energy utilization and molecular origin of standard metabolic rate in mammals. Physiological Review, 77: 731−758.
2: Steele, C. M. (1997). A threat in the air: How stereotypes shape intellectual identity and performance. American Psychologist, Vol 52(6), 613-629.

3: Jaeggi, S. M., Buschkuehl, M., Jonides, J., & Perrig, W. J. (2008). Improving fluid intelligence with training on working memory. PNAS,  doi: 10.1073/pnas.0801268105

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