Gehirntraining verbessert Tastsinn im Alter

Der Neurobiologe Prof. Hubert Dinse (Universität Bochum) und sein Team suchten nach Möglichkeiten, Alterungsprozesse positiv zu beeinflussen. Dabei gingen die Forscher davon aus, dass die Sinne auch im hohen Alter noch lernfähig sind. Im Fokus stand bei dieser Untersuchung der Tastsinn, welcher durch ein gezieltes Gehirntraining verbessert werden konnte. Genutzt wurden hierfür spezielle Stimulationstechniken.

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Der Tastsinn im Alter

Vieles lässt im Alter nach wie etwa das Sehvermögen, das Gehör, das Gedächtnis und eben auch der Tastsinn. Fehlende Feinmotorik und mangelnder Tastsinn führen nicht selten zu Beeinträchtigungen im alltäglichen Leben. So kommt es dazu, dass ältere Menschen manchmal Probleme haben:

  • Ihre Sachen zu zuknöpfen
  • Die Schnürsenkel zu binden
  • Das Brot zu schmieren
  • Den Schlüssel in das Schlüsselloch zu stecken

Der Forschungsansatz und die Testung

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Verschlechterung des Tastsinns keine Degenerations- oder Abnutzungserscheinung ist, sondern ein Problem der Sensorik, welche für die Rückmeldung verantwortlich ist. Es würde sich demnach um eine "Funktionsstörung der Sinne" handeln und ebendiese ist durch gezieltes Gehirntraining behandelbar.

An der Untersuchung nahmen Probanden im Alter zwischen 65 und 89 Jahren teil. Zuerst wurde bei jedem der Teilnehmer die Unterscheidungsschwelle gemessen. Vereinfacht erklärt, mussten die Probanden 2 Nadeln mit den Fingerspitzen berühren. Die Nadeln waren in variierenden Abständen zueinander angebracht. Bis zu einem gewissen Abstand wurden die Nadeln, durch die räumliche Unterscheidung, noch als 2 verschiedene wahrgenommen. Wenn sie allerdings zu eng beieinander standen, wurden die Nadeln als eine wahrgenommen.

Passives Gehirntraining erzielt Verbesserung

Um eine Verbesserung des Tastsinns zu erzielen, bekamen die Probanden eine vibrierende Membran, mittels eines tragbaren Gerätes, an der Fingerspitze befestigt. Diese sandte in regelmäßigen Abständen (etwa einmal pro Sekunde), kleine Reize aus. Dies geschah unter der Annahme, dass die Gleichzeitigkeit von Sinnesreizen, die synaptische Übertragung zwischen Nervenzellen und somit auch Lernprozesse verbessert. Die Berührungsreize bewirkten eine Veränderung in dem Gehirnareal, der für den Finger zuständig war. Das Areal vergrößerte sich und wurde aktiver.

Schon nach 3 stündiger Verwendung der Berührungsreize konnten signifikante Erfolge erreicht werden. Die eng beieinander stehenden Nadeln, konnten im Anschluss besser als 2 verschiedene Reize wahrgenommen werden. Die Diskriminationsfähigkeit (Fähigkeit zur Unterscheidung) einiger Probanden verjüngte ich um bis zu 30 Jahre. [1] [2] [3]

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Quellen:

[1] Scinexx (2012), Gehirntraining macht Tastsinn 30 Jahre jünger, http://scinexx.de/wissen-aktuell-4750-2006-05-18.html

[2] dradio.de (2012), Hilfe gegen den natürlichen Verschleiß, http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sprechstunde/150738/

[3] annals of neurology (2012), tactile coactivation resets age-related decline of human tactile discrimination, http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ana.20862/abstract

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