Metastudie zeigt: So hilft Gehirntraining bei Depressionen

Gehirntraining bei Depression? Was zunächst abwegig klingen mag, hat großes Potenzial. Eine neue Metastudie zeigt, wie Patienten von Gehirntraining profitieren könnten. 

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Depression ist eine Volkskrankheit. In den USA beispielsweise erkranken im Laufe ihres Lebens 16,6% der Bevölkerung an einer Depression. Die Symptome reichen von Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit über Schlaf- und Appetitlosigkeit bis hin zu einer höheren Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neben dem Leid der Betroffenen, ist der volkswirtschaftliche Schaden beachtlich. Allein in den USA entstehen durch die Behandlung und den Arbeitsausfall jährlich Kosten von 83 Milliarden Dollar.

Guter Rat ist teuer

Depression hat viele GesichterWissenschaftler, Ärzte und Psychotherapeuten bemühen sich bereits seit vielen Jahren um eine adäquate Behandlung betroffener Patienten. Dennoch wird davon ausgegangen, dass nur circa 40% von an Depressionen leidenden Patienten, eine angemessene Behandlung erhalten. Zum einen liegt dies an der Art der Behandlung, beispielsweise an der falschen Medikation, zum anderen daran, dass die Krankheit oftmals unerkannt und daher unbehandelt bleibt. Die Behandlung besteht heutzutage in der Regel aus einer Kombination aus medikamentöser und Psychotherapie. Diese Art der Behandlung ist sehr erfolgreich, auch wenn es viele Patienten gibt, denen nicht oder nicht hinreichend geholfen werden kann.

Kognitives Training als dritte Komponente

Ein weiteres Symptom von Depressionen sind kognitive Beeinträchtigungen. In der Regel bilden sich diese Symptome mit einem allgemeinen Abklingen der Depression zurück, dennoch können sie den Genesungsprozess erschweren. Aus diesem Grund wurde bereits in mehreren Studien untersucht, inwiefern Gehirntraining einen positiven Einfluss auf die Behandlung ausübt. Dabei konkurrieren verschiedene Theorien, worin der Nutzen von Gehirntraining liegt. Sind es lediglich die kognitiven Einbußen, die beseitigt werden, oder besteht auch eine Wirkungsverstärkung der anderen Grundpfeiler der Therapie? Kann also Gehirntraining beispielsweise auch die Stimmung von depressiven Menschen aufhellen?

Metastudie gibt Auskunft

Auch Medikamente helfen gegen DepressionenEine neue Metastudie untersuchte die Wirksamkeit von Gehirntraining in der Behandlung von Depression. Dieser Ansatz bietet den Vorteil, dass sämtliche Studien, die zu diesem Thema veröffentlicht wurden und eine hohe Qualität aufweisen, gemeinsam analysiert werden. Ausreißer in einer Studie fallen somit weniger stark ins Gewicht, die Ergebnisse über alle Studien hinweg besitzen daher eine größere Aussagekraft. Das Team um den Wissenschaftler Joel Sneed untersuchte insgesamt neun Studien; zwar gab noch mehr Studien zu dem Thema, doch entsprachen sie nicht den hohen Qualitätsanforderungen.

Effekt auf Stimmung, Aktivität und kognitive Fähigkeiten

In sämtlichen Studien, die analysiert wurden, gab es zudem eine Kontrollgruppe, die die übliche Form der Behandlung bekam, jedoch kein Gehirntraining. Dies ermöglicht es, mögliche Effekte auf Gehirntraining zurückzuführen und auszuschließen, dass es in Wirklichkeit Medikamente und/oder Psychotherapie waren, die für den Therapieerfolg verantwortlich waren. Von Interesse war die Wirkung des Trainings auf kognitive Fähigkeiten (Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, kognitive Gesamtleistung), auf die Stimmung (z.B. Niedergeschlagenheit) sowie auf das sogenannte "daily Functioning". Darunter verstehen Wissenschaftler die Fähigkeit, im Alltag zu funktionieren.

Die Ergebnisse

Studie zeigt: Auch die Stimmung profitiert von GehirntrainingDie Wissenschaftler konnten nachweisen, dass sich das Training in sämtlichen analysierten Bereichen positiv auswirkte. Während es plausibel klingt, dass Gehirntraining die kognitiven Fähigkeiten steigert, ist es durchaus erstaunlich, dass sich auch die Stimmung aufhellte und das Gehirntraining dazu führte, dass Personen besser in der Lage waren, im Alltag zu funktionieren. Wohlgemerkt handelte es sich beim Gehirntraining um einen Zusatz zu den anderen Komponenten der Therapie. Dennoch kann eindeutig ein Teil der Genesung auf Gehirntraining zurückgeführt werden. Die Ergebnisse sind insofern von großer Bedeutung, als Gehirntraining eine Methode darstellt, die praktisch überall verfügbar ist und zudem, verglichen mit Medikamenten oder Psychotherapie, sehr kostengünstig ist. Der Grund dieser Metaanalyse lag darin, Klarheit über die grundsätzliche Wirksamkeit von Gehirntraining bei der Behandlung zu erlangen. Zukünftige Untersuchungen müssen sich darauf konzentrieren, zu analysieren, worin der genaue Wirkmechanismus besteht.

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