Musik – Besser als Medizin?

Leiden Sie regelmäßig unter Kopfschmerzen? Mögen Sie Musik? Neueste Forschungen zeigen nun, dass Musik Ihnen helfen kann, Ihre Kopfschmerzen zu lindern.

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In Deutschland werden jährlich rezeptfreie Schmerztabletten im Wert von 900 Millionen Euro gekauft. Viele Menschen greifen bereits bei den ersten Anzeichen von Muskel-, Gelenk- oder Kopfschmerzen zu Tabletten. Zwar unterscheiden sich die Wirkmechanismen der verschiedenen Schmerzmittel, eines haben sie jedoch gemeinsam: Sie sind nicht harmlos. Bei falscher Dosierung oder zu langer Einnahme können schwerwiegende Nebenwirkungen wie Leberschäden oder ein erhöhtes Herzinfarktrisiko auftreten. Grund genug, nach alternativen Methoden zu suchen, die ebenfalls Schmerzen lindern, jedoch ohne Nebenwirkungen auskommen.

Gesucht: Schmerzmittel ohne Nebenwirkungen

Der Griff zur Tablette ist verbreitetGenau dies versuchte ein Forscherteam von Anästhesisten am Ann & Robert Kinderkrankenhaus in Chicago. In ihrer Funktion als Kinderärzte beschäftigen sich die Forscher intensiv mit der Schmerztherapie von Kindern während und nach größeren Operationen. Da für Kinder die Einnahme von Schmerztabletten mit noch stärkeren Nebenwirkungen einhergeht, sind Alternativen in der Schmerztherapie bei Kindern von großer Bedeutung.

Behandlung mit Musik

Konkret interessierte die Wissenschaftler, ob Musik in der Lage ist, schmerzlindernd zu wirken. Sie testeten dazu die Wirkung von Musik an Kindern, die nach einer größeren (orthopädischen, urologischen oder neurologischen) Operation unter Schmerzen litten. Insgesamt nahmen 60 Kinder im Alter zwischen 9 und 14 Jahren an der Studie teil. Das eigentliche Experiment dauerte 30 Minuten. Alle Kinder erhielten für das Experiment Kopfhörer. Die Wissenschaftler verglichen in Ihrem Experiment drei verschiedene Gruppen. Eine KopfschmerzenGruppe erhielt die Anweisung, die Kopfhörer 30 Minuten zu tragen, jedoch ohne Musik zu hören. Einer zweiten Gruppe wurde in den 30 Minuten Hörbücher vorgespielt. Die Kinder in der dritten Gruppe durften sich selbst aussuchen, welche Musik sie in den 30 Minuten hören. Diese Versuchsanordnung erlaubt es, festzustellen, ob tatsächlich Musik einen Effekt auf das Schmerzempfinden hat (Gruppe 3), oder ob aktives Zuhören (Gruppe 2) beziehungsweise ein Placebo-Effekt (Gruppe 1) einen Einfluss hat.

Stärke der Schmerzen auf zehnstufiger Skala erfasst

Um die Stärke der Schmerzen zu erfassen, sollten Kinder auf einer zehnstufigen Skala vor und nach den 30 Minuten angeben, wie groß ihre Schmerzen sind. Konkret war jede Abstufung der Skala durch ein mehr oder weniger stark schmerzverzehrtes Gesicht symbolisiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schmerzen der Kinder in der Musik-Gruppe am meisten abnahmen. Konkret sank in der Musik-Gruppe das Schmerzempfinden innerhalb der 30 Minuten, in der sie Musik hörte, durchschnittlich um eine Stufe (auf der zehnstufigen Skala). Das mag nach nicht viel klingen, doch ist eine Stufe ungefähr das Äquivalent einer rezeptfreien Schmerztablette.

Glücklich durch Musik

KontrabassDoch wieso ist Musik imstande, das Schmerzempfinden ähnlich stark zu senken wie eine Schmerztablette? Als Erklärung geben die Wissenschaftler an, dass die in dem Experiment verwendete Lieblingsmusik zweierlei Funktion erfüllt hat. Zum einen weckt die Lieblingsmusik bestimmte Erinnerungen, die typischerweise positiv sind. Zum anderen kann insbesondere heitere Musik ein kurzfristiges Glücksgefühl auslösen. Das Zusammenspiel dieser beiden Eigenschaften kann, so die Annahme der Wissenschaftler, den Schmerz vergessen machen und die Notwendigkeit, Schmerztabletten zur Behandlung von Schmerzen zu verwenden, reduzieren.

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Quellen:

Suresh, S., De Oliveira, G., & Suresh, S. (2015). The effect of audio therapy to treat postoperative pain in children undergoing major surgery: a randomized controlled trial. Pediatric Surgery International, 31(2), 197-201. 

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