Mythen über das Gehirn – Teil zwei

Die drei Pfund Masse über den Schultern machen uns zu dem, was wir sind. Keine andere Spezies hat ein derart hochentwickeltes Denkorgan. Gleichzeitig ranken sich um kein anderes Organ derart viele Mythen. 

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Können Sie folgenden beiden Aussagen etwas abgewinnen? „Das männliche Gehirn ist größer und daher leistungsfähiger als das weibliche!“, „Wenn wir uns geistig anstrengen, trainieren wir unsere grauen Zellen.“ Welche dieser Aussagen stimmt, welche ist nicht mehr als ein Mythos? Nachdem wir vor einiger Zeit bereits einmal vier populäre Mythen erklärt haben, klopfen wir heute vier weitere auf ihren Wahrheitsgehalt ab:

Mythos 5: Unser Gehirn besteht aus grauen Zellen.

Sind Nervenzellen wirklich grau?Wahrheitsgehalt: Mittel
Schon als Kind lernt man, dass geistige Anstrengung die grauen Zellen fördert. Es wird der Eindruck vermittelt, unter der Schädeldecke lagere eine große graue Masse. Wie meistens, ist die Realität etwas komplizierter. Das Gehirn besteht aus knapp 100 Milliarden Nervenzellen, sie bestimmen daher das Aussehen des Gehirns. Wiederum gibt es unterschiedliche Arten von Nervenzellen und alle Nervenzellen bestehen aus verschiedenen Teilen. Vereinfacht lässt sich sagen, dass graue Zellen jene Zellen sind, die hauptsächlich aus einem Zellköper bestehen. Weiße Zellen sind wiederum Zellen, bei denen das Axon einen großen Anteil ausmacht. Das Axon ist eine längliche Bahn, die der Informationsübertragung von Zelle zu Zelle dient. Dieses Axon ist durch eine fetthaltige Myelinschicht umgeben. Diese Myelinschicht erscheint bei einem Blick ins Gehirn weiß, daher der Name "weiße Substanz". Doch sind die grauen Zellen wirklich grau? Dieser Mythos geht darauf zurück, dass die Zellen grau erscheinen, wenn sie in Formalin eingelegt werden. Im lebenden Gehirn sind die Zellen rosa. Korrekt müsste es also heißen. Unser Gehirn besteht aus rosa Zellen.

Mythos 6: Menschen können sich nicht selbst kitzeln.

Können Sie sich selbst kitzeln?Wahrheitsgehalt: Hoch
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Sie sich nicht selbst kitzeln können? Doch wieso können einen andere Menschen kitzeln und wieso ist man gegen die eigenen Kitzelbemühungen immun? Der Grund liegt daran, dass das eigene Bemühen komplett vorhersagbar ist, beim Fremdkitzeln besteht immer ein unvorhersagbarer Anteil. Auch wenn man weiß, dass einen eine andere Person gleich kitzeln wird, so weiß man jedoch nicht, wann und wo genau und mit welcher Intensität die Kitzelattacke erfolgt. Das Kleinhirn ist sich der Bewegungen des eigenen Körpers zu jedem Zeitpunkt bewusst und kann sich daher nicht selbst kitzeln.

Mythos 7: Kopfschmerzen entstehen im Gehirn.

Wo entstehen Kopfschmerzen?Wahrheitsgehalt: Niedrig
Es gibt verschiedene Arten von Kopfschmerzen, alle haben eines gemeinsam: Schmerzen. Doch was genau tut eigentlich weh? Unser Körper nimmt Schmerzen über Schmerzrezeptoren wahr, die die Informationen ins Gehirn transportieren, wo eine Bewertung des Schmerzes stattfindet. Dementsprechend sind es auch solche Schmerzrezeptoren, die den Kopfschmerz wahrnehmen. Doch befinden sich im Gehirn gar keine Schmerzrezeptoren – das Gehirn ist folglich immun gegen Schmerzen. Kopfschmerzen entstehen demnach nicht im Gehirn, sondern um das Gehirn herum, beispielsweise durch eine Reizung der Hirnhaut.

Mythos 8: Das männliche Gehirn ist größer und leistungsfähiger als das Weibliche.

Welches Geschlecht hat die Nase vorn?Wahrheitsgehalt: Mittel
Es stimmt, das männliche Gehirn ist im Durchschnitt etwas größer ist als weibliche (circa 10 Prozent). Dieser Größenunterschied entspricht in etwa dem generellen Größenunterschied zwischen Mann und Frau. Allerdings ist die Leistungsfähigkeit des Gehirns nur in geringem Maße von der Größe abhängig. So weiß man zum Beispiel:

Albert Einstein – nicht gerade auf den Kopf gefallen – hatte kein sonderlich großes Gehirn.

Einsteins Hirn war übrigens nicht besonders schwer, sondern eher ein Leichtgewicht. Es wog nach dem Tod 1 230 Gramm. Das entspricht einem Gewicht von 1 352 Gramm zu Lebzeiten. Ein erwachsener Mann hat durchschnittlich eine Hirngewicht von 1 400 Gramm – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/1201018 ©2016
Einsteins Hirn war übrigens nicht besonders schwer, sondern eher ein Leichtgewicht. Es wog nach dem Tod 1 230 Gramm. Das entspricht einem Gewicht von 1 352 Gramm zu Lebzeiten. Ein erwachsener Mann hat durchschnittlich eine Hirngewicht von 1 400 Gramm. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/1201018 ©2016
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