Revolutionäre Forschung zeigt: So können vergrabene Erinnerungen geborgen werden

Sind Erinnerungen jemals wirklich zerstört oder sind sie nur vergraben? Neueste Forschungen der Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigen, dass mit einer bestimmten Art der Stimulation verlorengeglaubte Informationen wieder aktiviert werden können.

Training starten

Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie nach dem Namen eines Schauspielers, einer Musikband oder einer Stadt suchen und Ihnen die Information auf der Zunge liegt? Sie können förmlich spüren, dass Sie die Information kennen. Nur das Benennen ist in diesem Moment nicht möglich. Dieses Phänomen könnte ein Schlüssel zum Verständnis sein, wie Menschen generell Informationen abspeichern und abrufen.

Wie werden Erinnerungen abgerufen?

Wir werden uns unseres Gedächtnisses meist nur dann bewusst, wenn es nicht funktioniert. Das Gleiche trifft auf die Wissenschaft zu; auch sie versucht die Prinzipien unserer Wie werden Informationen gespeichert?Erinnerungen anhand von Situationen (zutreffender: Krankheiten) zu erklären, in denen das Gedächtnis zu wünschen übrig lässt. Typisch für solche Krankheiten sind Gedächtnisprobleme bei Alzheimer und nach schweren Gehirnerschütterungen. Grundsätzlich gibt es zwei Theorien, weswegen Menschen unter Gedächtnisproblemen leiden: Die erste Theorie – und die mit Abstand am weitesten verbreitete – geht davon aus, dass bei Krankheiten wie Alzheimer, Gedächtnisinhalte durch entzündliche Prozesse verlorengehen und daher nicht mehr abrufbar sind. Die zweite Theorie besagt, dass die Gedächtnisinhalte intakt sind und lediglich die Fähigkeit, diese Inhalte abzurufen, gestört ist. Das im Folgenden beschriebene Experiment geht der Frage nach, welche dieser beiden Theorien korrekt ist.

Experiment bedient sich Hochtechnologie

Das im Fachmagazin Science veröffentlichte Experiment wurde an Mäusen durchgeführt und unterteilt sich in 5 Phasen:

 

1. Die Mäuse werden in einen Käfig platziert: In diesem Käfig erhalten sie Elektroschocks. Aus früheren Studien ist bekannt, dass sich Mäuse den Käfig, in dem ihnen Schlechtes widerfahren ist, sehr schnell einprägen. Würden sie erneut in den gleichen Käfig gesetzt, würden sie Angstreaktionen zeigen. Dieses Wiedererkennen betrachten Wissenschaftler als Lernleistung.

2. Den Mäusen wird die Substanz Anisomyzin gespritzt: Mit diesem Verfahren können im Tiermodell menschliche Krankheiten wie Alzheimer simuliert werden. Dabei werden sogenannte ‚Memory engram Cells‘ lahmgelegt. Laut der Annahme der Erinnerungen ausradierenWissenschaftler ist dieser Zellverbund dafür verantwortlich, Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis abzurufen. Durch das Anisomyzin ist ein Abruf von Wissensinhalten somit gestört.

3. Die Erinnerungsleistung der Mäuse wird überprüft: Die Mäuse werden erneut in den Käfig gesetzt, in dem sie die Elektroschocks erhielten. Dabei zeigte sich, dass die Mäuse aufgrund des Anisomyzin keine Erinnerungsleistung aufwiesen. Mit anderen Worten: Die Mäuse konnten sich nicht daran erinnern, schon einmal in diesem Käfig und dort Stromstößen ausgesetzt gewesen zu sein.

4. Optogenetische Stimulierung der ‚Memory engram Cells‘: Was sich nach Science Fiction anhört, kommt, nun ja, sehr nah an Science Fiction ran. Die Wissenschaftler bedienten sich einer neuartigen Methode, mithilfe derer ausgewählte Hirnareale an- und abgestellt werden können. Dies geschieht über einen Lichtstrahl mit besonderem Licht. In diesem Fall wurden die sogenannten ‚Memory engram Cells‘, die durch das Anisomyzin lahmgelegt waren, aktiviert.

5. Die Erinnerungsleistung der Mäuse wird erneut überprüft: Mit aktivierten ‚Memory engram Cells‘ werden die Mäuse erneut in Durch Technologie Wissen zugänglich machenden Käfig gesetzt, in dem sie die Elektroschocks erhielten (siehe Phase 3). Die Ergebnisse entsprachen den Annahmen der Forscher. Durch die Aktivierung der ‚Memory engram Cells‘ konnten die Mäuse plötzlich zuvor nicht bekannte Gedächtnisinhalte abrufen. Mit anderen Worten: Verlorengeglaubte Informationen konnten wieder aktiviert werden.

Verlorengeglaubte Informationen retten

Fazit: Das Experiment zeigt, dass Lernprozesse auch dann stattfinden können, wenn sich ein Individuum nicht aktiv an das Erlebte erinnern kann. Konkret bedeutet dies, dass bei vielen Erkrankungen Erinnerungen nicht verloren sind, sondern lediglich das Abrufen Ein wenig Erleuchtung über den menschlichen Geistder Informationen nicht funktioniert. In diesen Fällen besteht eine Störung der Zellen, die für das Abrufen von Informationen erforderlich sind. Natürlich ergibt sich aus diesen Forschungsergebnissen die Hoffnung, dass zukünftig durch geeignete Verfahren die Fähigkeit, gespeicherte Informationen abzurufen, künstlich wieder aktiviert werden kann. Sie sehen: Unser Gehirn steckt nach wie vor voller Überraschungen, die Reise zum Verständnis unseres Gehirns hat gerade erst begonnen.

Training starten

Quellen:

Ryan, T. J., Roy, D. S., Pignatelli, M., Arons, A., & Tonegawa, S. (2015). Engram cells retain memory under retrograde amnesia. Science, 348(6238), 1007-1013.

Anmelden

Sign in with Google