So wichtig ist Natur für das Gehirn von Kindern

Wie wichtig ist die Umwelt für die Entwicklung von Kindern? Laut einer Studie aus Barcelona sehr wichtig. Insbesondere das Arbeitsgedächtnis profitiert demnach von Parks und Grünflächen.

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Wir bei NeuroNation werden nicht müde, die Bedeutung von Arbeitsgedächtnistraining zu betonen. Das Arbeitsgedächtnis ist eine Struktur im Gehirn, deren Aufgabe es ist, Informationen wahrzunehmen, diese für kurze Zeit zwischenzuspeichern und gleichzeitig abrufbereit zu halten. Das mag banal klingen, ist aber für jede intelligente Handlung verantwortlich. Versuchen Sie einmal, sich eine Telefonnummer zu merken, die Ihnen jemand zuruft, ohne dass Sie etwas zu schreiben haben. In genau diesen Momenten greift das Arbeitsgedächtnis ein, es hält die Informationen abrufbereit. Wie wichtig das Arbeitsgedächtnis bereits im Kindesalter ist, untersuchten die Wunderkinder besitzen starkes ArbeitsgedächtnisWissenschaftler Joanne Ruthsatz und Jourdan Urbach im Jahre 2012 an Wunderkindern [1]. Wunderkinder definierten die Wissenschaftler als Kinder, die bereits in jungen Jahren Großes geleistet haben. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass Wunderkinder, verglichen mit durchschnittlich begabten Kindern, zwar eine leicht höhere allgemeine Intelligenz besitzen, aber ein extrem viel stärker ausgeprägtes Arbeitsgedächtnis.

Wovon hängt die Stärke des Arbeitsgedächtnisses ab?

Von welchen Umwelteinflüssen die Stärke des Arbeitsgedächtnisses abhängt, ist nun ein Forscherteam in Barcelona nachgegangen [2]. Sie fragten sich, ob es das Einkommen, der Bildungsgrad oder der Beziehungsstatus der Eltern ist, der entscheidend ist, oder vielmehr Umwelteinflüsse wie die Nähe zu Parks und Grünflächen in Bezug auf Wohnort oder Ort der Schule. Die Ergebnisse wurden vorab online im Fachmagazin PANAS veröffentlicht.

2600 Grundschüler von 36 Schulen

Insgesamt nahmen an der Studie circa 2600 Grundschüler von 36 Schulen teil. Die Kinder besuchten die zweite bis vierte Klasse. Alle drei Monate wurden die geistigen Leistungen der Schüler mit umfangreichen IQ-Tests erfasst. Zusätzlich erhoben die Wissenschaftler weitere Daten, die sich auf die Umwelt der Schüler beziehen: Das Einkommen, der Ehestatus und Sonne macht glücklich und schlauBildungsgrad der Eltern sowie die Entfernung der Schule und des Wohnortes zum nächsten Park oder der nächsten Grünfläche. Die Entfernung der Schule und des Wohnorts wurden anhand von Satellitenbildern berechnet.

Parks in der Nähe von Schulen vorteilhaft

Die Analyse der Daten zeichnet ein eindeutiges Bild: Demnach besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Nähe der Schule zum nächsten Park oder der nächsten Grünfläche zum Arbeitsgedächtnis von Schülern. Vereinfacht gesagt: Je näher die Schule einem Park ist, desto besser funktioniert das Arbeitsgedächtnis. Der kritische Leser könnte nun einwenden, dass Zusammenhangsstudien immer mit Vorsicht zu genießen sind, da ein Zusammenhang nicht zulässt, eine Beobachtung (Stärke des Arbeitsgedächtnisses) ohne Grünflächen sind wichtig für die kindliche Entwicklungweiteres auf einen Faktor (Nähe zu Parks) zurückzuführen. Beispielsweise wäre es denkbar, dass besonders wohlhabende Familien in Vororten leben und diese Vororte wiederum mehr Parks besitzen und daher das stärkere Arbeitsgedächtnis letztlich durch das Einkommen der Eltern erklärt werden kann. Aus diesem Grund fügten die Wissenschaftler weitere Faktoren (Einkommen, Bildungsgrad, Beziehungsstatus der Eltern) in ihre Rechnungen mit ein. Doch auch bei Zuhilfenahme dieser Faktoren blieb der Einfluss der Nähe der Schule zum nächsten Park beziehungsweise der nächsten Grünfläche bestehen. Interessanterweise hatte die Nähe des Wohnorts der Kinder zum nächsten Park oder der nächsten Grünfläche keinen Einfluss auf die Stärke des Arbeitsgedächtnisses.

Spekulationen über die Gründe

Doch wieso sind Grünflächen so wichtig für die Entwicklung von Kindern? Zum einen sinkt die Belastung von Verkehrsabgasen, wenn die grünen Lungen eines Parks die Luft säubern.
Das Gehirn entspannt im GrünenTatsächlich konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Leistung von Kindern in Schulen mit der höchsten Abgasbelastung am niedrigsten war. Außerdem könnte es sein, dass Parks lärmdämpfend wirken und sich Schüler somit besser konzentrieren können. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass Parks Kindern die Möglichkeit geben, sich körperlich zu betätigen, was wiederum der kognitiven Entwicklung zuträglich sein könnte.

Studie in Edinburgh gibt weitere Auskunft

Eine weitere mögliche Erklärung liefert eine Studie, die an der Universität Edinburgh durchgeführt wurde und dieses Jahr im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht wurde [3]. In der Studie ließen die Wissenschaftler Studienteilnehmer sowohl durch belebte Straßen als auch durch einen ruhigen Park spazieren. Während ihres Spazierganges trugen die Studienteilnehmer ein Gerät, das ihre Gehirnströme aufzeichnete. Die Ergebnisse zeigten, dass Studienteilnehmer während des Spaziergangs durch die belebte Straße Gehirnströme Das Gehirn benötigt Ruhepausen im Grünenaufwiesen, die typisch für Aufregung und Frustration sind. Während des Spaziergangs durch den Park deuteten die Gehirnströme hingegen auf eine Entspannung des Gehirns hin.
Gut möglich, dass Parks und Grünflächen nicht aus einem einzigen, bestimmten Grund gut für die Entwicklung von Kindern sind, sondern aufgrund einer Vielzahl von Faktoren: gute Luft, weniger Lärm, mehr Bewegungsmöglichkeiten und eine beruhigende Wirkung auf das Gehirn.

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Quellen:

1: Ruthsatz, J., & Urbach, J. B. (2012). Child prodigy: A novel cognitive profile places elevated general intelligence, exceptional working memory and attention to detail at the root of prodigiousness. Intelligence, 40 (5), 419-426.
2: Dadvand, P., Nieuwenhuijsen, M., Esnaola, M., Forns, J., Basagana, X., Alvarez-Pedrerol, M., Rivas, I., Lopez-Vicente, M., De Castro Pascual, M., Su, J., Jerrett, M., Querol, X., & Sunyer, J. (2015). Green spaces and cognitive development in primary schoolchildren. PANAS, doi: 10.1073/pnas.1503402112.
3: Aspinall, P., Mavros, P., Coyne, R., & Roe, J. (2015). The urban brain: analyzing outdoor physical activity with mobile EEG. British Journal of Sports Medicine, 49(4), 272-276.

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