Stellungnahme von Herrn Professor Falkenstein: Wodurch sich seriöses Gehirntraining auszeichnet

Gehirntraining erhält ein großes Maß öffentlichen Interesses. Ein Grund hierfür sind die mit Gehirntraining einhergehenden Hoffnungen auf gesundheitliche Vorteile. In einer alternden Gesellschaft sind z.B. die Themen des kognitiven Abbaus im Altern und die Entwicklung von Demenzen von großer Relevanz.

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Der Optimismus scheint berechtigt, zeigen doch zahlreiche Studien, dass Menschen, die mental aktiv sind, ein geringeres Risiko haben, an Demenz zu erkranken. Die Hoffnung besteht, dass Gehirntraining , d.h. das gezielte Training kognitiver Funktionen, eine Möglichkeit darstellt, sich mental fit zu halten. Aufgrund der vielen Meinungen zum Thema Gehirntraining ist eine Einordnung der Datenlage dringend erforderlich.

Meta-Analysen zeigen mehrheitlich positive Effekte

Prof. FalkensteinGehirntraining oder besser Kognitives Training (KT) wird zunehmend wissenschaftlich evaluiert. Verschiedene Trainingsstudien zeigen unterschiedliche Effekte von KT auf kognitive Funktionen, die in der Regel durch standardisierte psychometrische Tests („Intelligenztests“) gemessen werde. In guten Studien erhält eine Gruppe KT und eine andere Gruppe (Kontrollgruppe) führt eine ebenso lange und intensive Aktivität durch, die aber nicht direkt auf die zu verbessernde Funktion zielt oder unspezifisch ist. In verschiedenen neueren Übersichtsarbeiten („Meta-Analysen“) zeigen sich mehrheitlich positive Effekte verschiedener KT-Programme. Allerdings ist die Qualität vieler Trainingsstudien mäßig, und nicht immer schneidet die KT-Gruppe besser ab als die Kontrollgruppe. Auch ist unklar, wie lange die Effekte anhalten und welche Personen von einem KT profitieren und welche nicht. Offenbar ist ein Training des sogenannten Arbeitsgedächtnisses, bei dem Gedächtnisinhalte fortwährend transformiert werden, besonders effektiv und verbessert manchen Studien zufolge nicht nur das Arbeitsgedächtnis selbst, sondern auch andere kognitive Funktionen.

Schwierigkeit muss adaptiv sein

Mehr und mehr zeigt sich, dass bestimmte Faktoren über den Erfolg eines KT bestimmen. Die Schwierigkeit sollte dem aktuellen Leistungsstand angepasst werden. Die Trainingsmotivation ist dann besonders groß, wenn die Schwierigkeit an den aktuellen Leistungsstand angepasst wird. Die Anpassung sollte aber weitestgehend dem Benutzer überlassen bleiben. Des Weiteren sollte häufiges Feedback über die aktuelle oder mittlere Leistung gegeben werden. Die Variabilität der Übungen sollte hoch sein. Wenn also z.B. räumliche Aufmerksamkeit trainiert werden soll, sollte dies in unterschiedlichen Kontexten und mit unterschiedlichen Aufgaben erfolgen. Insbesondere sollte ein gutes KT Spaß machen, um die Motivation hoch zu halten.

Motivation entscheidet über Erfolg

Kognitives Training sollte nicht nur eine kognitive Funktion ansprechen, sondern unterschiedliche Funktionen, da die Verbesserungen sich meist auf die durch die Übungen trainierten Funktionen beschränken: ein Training räumlicher Aufmerksamkeit wird sich in der Regel also nicht positiv auf das logische Denken auswirken. Ein solches multimodales Training stellt also zum einen sicher, dass verschiedene Aspekte des menschlichen Geistes trainiert werden. Zum anderen ist ein vielseitiges Training abwechslungsreich, was die Motivation fördert. Trainings, die mehrere Funktionen oft auf jeweils unterschiedliche Weise trainieren, sind gut durch PC-basierte Übungen sowie komplexe Computerspiele zu realisieren, aber durchaus auch durch anspruchsvolle Karten-, Brett- und papierbasiere Spiele („Rätsel“). PC-basierte Trainings haben jedoch den Vorteil dass sie adaptiv sind und ständiges Feedback möglich ist. Wenn die genannten Faktoren eingehalten werden, kann meines Erachtens ein PC-basiertes kognitives Training einen Beitrag leisten, kognitive Funktionen auf einem guten Level zu halten und die Flexibilität und den Umgang mit neuen Situationen zu fördern.

Computerbasiertes Training im Vorteil

Bisher ist jedoch nur in sehr wenigen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen, dass kognitives Training zur Verbesserung von Alltagsfähigkeiten führen kann. Besonders wichtig ist es zu betonen, dass kein kommerziell erhältliches kognitives Training bisher in der Lage war das Risiko zu reduzieren, an Demenz zu erkranken. Zudem ist Gehirntraining als Ergänzung, nicht als Ersatz anderer Formen geistiger oder kombinierter körperlich/geistiger Aktivität (das Lernen einer Fremdsprache, das Spielen eines Instruments, Tanzkurse und die Interaktionen mit seinen Enkeln) zu verstehen. Zuviel PC-basiertes Training kann von anspruchsvollen sozialen Aktivitäten abhalten und sollte daher zeitlich begrenzt werden. Die Quintessenz meiner Empfehlungen ist, im Alltag immer neue Herausforderungen mit hoher kognitiver Komplexität und Variabilität zu suchen.

Der Alltagsnutzen muss stärker erforscht werden

Letztendlich gibt es nur eine Möglichkeit, den Nutzen von PC-basiertem Gehirntraining zu beurteilen: Durch randomisierte kontrollierte Studien mit einer großen Anzahl an Versuchspersonen , bei denen nicht nur unterschiedliche psychometrische Tests als Referenzgröße dienen, sondern zunehmend auch der Nutzen im Alltag von Menschen untersucht wird. Hierbei sollten Faktoren untersucht werden, welche den Erfolg und die Nachhaltigkeit eines kognitiven Trainings beeinflussen, wie die Struktur und die Dauer von Trainings, und welche Menschen besonders vom Training profitieren. Insbesondere sollte verstärkt untersucht werden, inwieweit sich durch kognitives Training die Alltagsintelligenz älterer Menschen verbessern lässt oder gar demenzielle Entwicklungen verzögern lassen.
Ernstzunehmende Anbieter von Gehirntraining sollten daher Kooperationen mit Universitäten und Forschungseinrichtungen eingehen, um in wissenschaftlichen Studien Erkenntnisse über die Wirksamkeit ihres Trainings zu gewinnen und ihr Produkt durch diesen Erkenntnisgewinn stetig weiterzuentwickeln. Auch wenn in den heutigen Angeboten Verbesserungspotenzial schlummert, so ist Optimismus angebracht.

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