Unsere Spiegelneuronen - Wie wir die Gefühle anderer spüren können

Haben Sie schon mal Mitleid empfunden? Sich von einem lauten Lachen anstecken lassen? Oder kennen Sie es, wenn man den Gefühlszustand eines Gegenübers nur an dessen Mimik erkennt?

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Ganz bestimmt, denn wir Menschen sind soziale und mitfühlende Wesen. Und die sogenannten Spiegelneuronen sorgen dafür, dass wir das empfinden können, was andere empfinden. Unsere Mimik und Gestik sprechen eine eigene Sprache.

Beobachtung aktiviert die Spiegelneuronen

Die Spiegelneuronen wurden 1995 von dem italienischen Neuropsychologen G. Rizzolatti und seinem Team entdeckt. Es handelt sich dabei um Nervenzellen (und ein Resonanzsystem), durch die Mitgefühl, Freude und Schmerzen, ausgelöst durch andere Menschen, überhaupt erst entstehen können. Beim Betrachten eines Vorgangs weisen die Spiegelneuronen die gleichen Aktivitätsmuster auf, die entstünden, wenn dieser Vorgang nicht nur passiv betrachtet, sondern aktiv erlebt werden würde. Sie senden demnach schon Signale bei der reinen Beobachtung einer Handlung aus. Die Reaktion der Spiegelneuronen ist dann genauso, als wäre die Handlung selbst durchgeführt worden. So kommt es auch dazu, dass wir uns zum Gähnen verleiten lassen, nur weil ein anderer Mensch soeben gegähnt hat oder uns von einem breiten Lächeln anstecken lassen.

'Lächle und die Welt lächelt zurück.'

Die eigene Sichtweise auf die Welt

Lächeln

Die Spiegelneuronen gehören zu den Basisfunktionen unseres Gehirns. Wir besitzen diese Nervenzellen von der Geburt an. Die Fähigkeit dahinter entwickelt sich hingegen nicht von alleine. Man braucht einen Partner dazu. Bei einem Baby ist das die Mutter oder eine andere Bezugsperson, die das 'Mitfühlen' aktiviert. Etwa zwischen dem 3. bis 4. Lebensjahr ist diese unterbewusste Fähigkeit bereits voll ausgeprägt. Man hat dann eine eigene Sichtweise auf die Welt entwickelt und versteht seine Mitmenschen intuitiv. So können wir uns auch in vollen Einkaufszentren bewegen, ohne mit jedem Menschen zusammenstoßen - Wir erahnen die Bewegungsrichtung schon intuitiv im Voraus. Die Nervenzellen sind ein Leben lang in der Lage neue Erfahrungen zu sammeln, diese zu speichern und abzurufen. Wenn man sie nicht gebraucht, können sie sich jedoch wieder zurückbilden. Es wird davon ausgegangen, dass umso trainierter die Spiegelneuronen sind, desto demokratischer, humanistischer und emotionaler ist ein Mensch.

Einsatz in der Forschung

Spiegelneuronen

Spiegelneuronen spielen auch in der Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten eine Rolle, die beispielsweise Einschränkungen in ihrer Motorik haben. Wenn die Betroffenen bestimmte Handlungen verfolgen, dann fühlen sie sich in diese Lage hineinversetzt und die Beweglichkeit verbessert sich, wie man am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck heraus fand. Die Patienten sahen über 40 Tage lang 6-minütige Videos, auf denen Sie Bewegungsabläufe, zum Beispiel 'den Arm ausstrecken' und 'die Hand öffnen' sahen. Sie konnten ihre Motorik durch diesen 'Nachmacher-Effekt' um ein vielfaches schneller wieder aktivieren, als es bei anderen Therapien üblich ist. [1]

Bei Autisten fanden Forscher heraus, dass die für die Spiegelneuronen wichtigen Areale nur schwach aktiviert sind. Das würde unter anderem erklären, warum Autisten verschiedene Intentionen ihrer Mitmenschen nicht verstehen.

Existieren Spiegelneuronen nur bei Menschen?

Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei Tieren, die in großen Schwärmen oder Herden leben, ähnliche Vorgänge ablaufen müssen. So etwa bei Fischen und Vögeln. Diese Frage ist bis dato jedoch nicht gänzlich geklärt, da es sich um ein sehr junges Forschungsgebiet handelt. Als die Spiegelneuronen entdeckt wurden, war das Forschungsobjekt ein Schimpanse, was eindeutig auf das Vorhandensein dieser Nervenzellen hinweist. Als er das Greifen eines Forschers nach einer versteckten Nuss beobachtete, wurden in seinem Gehirn dieselben Nervenzellen aktiviert, als würde er diese Bewegung selbst ausführen. Es hat dem Affen tatsächlich schon gereicht, zu erahnen, was kommen könnte. [2;3]

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Quellen:

[1] Empathie und Schmerzen (2012), Der Nachmacher-Effekt, http://empathieschmerz.blogspot.de/2011/07/der-nachmacher-effekte.html
[2] Gehirn und Geist (2013), Spiegelneurone, http://www.gehirn-und-geist.de/alias/dachzeile/spiegelneurone/859922

[3] Planet Wissen (2013), Spiegelneuronen, http://www.planet-wissen.de/natur_technik/forschungszweige/spiegelneuronen/index.jsp

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