„An welchem Alzheimer leidest du?“ Über die verschiedenen Subtypen der Krankheit

Vermutlich lief die bisherige Alzheimer-Forschung auch deswegen ins Leere, da es mehrere Alzheimer-Subtypen gibt. Jede Form benötigt demnach eine eigene Art der Behandlung.

Training starten

Wie schwer es ist, der Alzheimer-Demenz auf die Schliche zu kommen, haben wir bereits öfter erwähnt. Regelmäßig gehen vielversprechende Forschungsprojekte in Rauch auf und lassen rätselnde Wissenschaftler zurück. Ein Grund, weswegen es so schwer ist, eine effektive Behandlung zu finden ist, dass nach wie vor unterschiedliche Theorien zu den Ursachen der Volkskrankheit Alzheimer miteinander konkurrieren. Bei der Alzheimer-Demenz handelt es sich um eine Krankheit des Gehirns, in deren Folge Betroffene in zunehmendem Maße ihre mentalen Fähigkeiten verlieren. Zwar gibt es auch andere Formen von Demenz, doch ist Alzheimer die mit circa 60% am weitesten verbreitete Form.

Stochern im Nebel

Die Ursachen von Alzheimer liegen im GehirnDoch wieso laufen die Bemühungen so oft ins Leere? Die Anzeichen verdichten sich, dass es nicht die eine Alzheimer-Demenz gibt, sondern dass es mehrere Subtypen gibt, die unterschiedliche Ursachen haben. Eine neue, im Fachmagazin Aging erschienene Studie untersuchte die Theorie der verschiedener Subtypen der Alzheimer-Demenz im Detail. Die Wissenschaftler der Universität Los Angeles (UCLA) gingen in ihren Forschungen von der Beobachtung aus, dass sich die Krankheit bei verschiedenen Menschen auf unterschiedliche Art und Weise bemerkbar macht. Beispielsweise gibt es Patienten, bei denen primär Gedächtnisprobleme zutage treten, wohingegen sich die Krankheit bei anderen Patienten in Sprachproblemen zeigt.

Biopsie des Gehirns nicht möglich

Gedächtnisverlust ist häufigstes SymptomDa sich die Unterschiede bei Patienten insbesondere auf der Verhaltensebene zeigten, war es nötig, lebende Patienten zu erforschen. Oftmals werden in der Alzheimer-Forschung die Gehirne von Verstorbenen untersucht, da die strukturellen Veränderungen im Gehirn dann besonders gut untersucht werden können. Um aber tatsächlich Zusammenhänge zwischen Beobachtungen auf der Verhaltensebene und den zugrunde liegenden Ursachen zu entdecken, mussten sich die Wissenschaftler einer Vielzahl verschiedener Verfahren bedienen, ohne dabei beispielsweise Gewebeproben des Gehirns zu entnehmen.

Drei verschiedene Typen

Die Wissenschaftler schafften es, drei Subtypen der Alzheimer-Demenz zu isolieren:

Inflamatorisch: Dieser Subtyp zeichnet sich dadurch aus, dass C-reaktive Proteine erhöht sind, was für entzündliche Prozesse im Gehirn spricht.
Nicht-inflamatorisch: In diesem Subtypen gibt es keine erhöhten Entzündungswerte. Es bestehen jedoch Defekte hinsichtlich anderer Stoffwechselprodukte. Sowohl beim inflamatorsichen als auch beim nicht-inflamatorischen Subtypen zeigen sich die Symptome zunächst durch Gedächtnisprobleme.
Kortikal: Der kortikale Subtyp tritt insbesondere bei jüngeren Alzheimer-Patienten auf. Eine weitere Besonderheit dieses Subtyps liegt darin, dass weitere Teile des Gehirns betroffen sind als bei den anderen beiden Typen. Patienten, die an diesem Subtypen leiden, zeigen zudem gehäuft Sprachprobleme.

Folgen für die Therapie

Bisher versprechen nur Änderungen im Lebensstil eine Verlangsamung des VerlaufsDie Ergebnisse sind von großer Relevanz, sowohl für zukünftige Forschungen als auch für die Behandlung. Ein Medikament mit dem Anspruch, gegen die Alzheimer-Demenz wirksam zu sein, wurde bislang nur an Studienteilnehmer getestet, die nicht anhand ihres Subtyps unterschieden wurden. Zukünftig besteht die Möglichkeit, Medikamente spezifisch für einen bestimmten Subtyp zu entwickeln und somit die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, einen Wirkstoff zu finden. Zumindest zu Beginn einer Demenz sind bis dahin nach wie vor Verhaltensweisen wie gesunde Ernährung, ausreichend Sport sowie geistige Anstrengung die besten Mittel, um den geistigen Verfall aufzuhalten.

Training starten

Quellen:

Bredesn D.E. (2015). Metabolic profiling distinguishes three subtypes of Alzheimer's disease, Aging, 7(8), 595-600.

Anmelden

Sign in with Google