Wieso ein verliebtes Gehirn verrückt spielt

Liebe. Sie kann so schön sein und auch so schmerzhaft. Sie kann die schönsten Gedichte hervorbringen und Menschen das Leben kosten. Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir uns verlieben? Und was, wenn die Liebe jäh endet?

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Unzählige Romane, Gedichte, Lieder und Theaterstücke befassen sich mit Liebe. Auf Steintafeln von 4.000 v. Chr. wurden bereits Liebesgedichte gefunden. In einer anthropologischen Studie [1] konnte zudem demonstriert werden, dass Liebe in jeder Kultur auf der Welt fest verankert ist. Nüchtern betrachtet ist Liebe ein seltsames Phänomen. Verliebte Menschen Liebe kann schön seinbenötigen kaum Schlaf, sie vernachlässigen ihre Freunde, sie bombardieren das Objekt ihrer Begierde mit SMS, sie kaufen sich neue Kleidung, sie hängen bis in die Morgenstunden an der Strippe, erwachsene Menschen verhalten sich wie Teenager. Kurzum: Sie sind nicht sie selbst.

Liebe ist ein Ausnahmezustand

Dies sind die positiven Aspekte von Liebe. Was passiert, wenn Liebe plötzlich zu Liebeskummer wird, kann ähnlich dramatische Folgen haben. Betroffene sprechen von einem ‚Stich ins Herz‘, davon dass ihnen ,der Boden unter den Füßen weggezogen werde‘, dass sie ‚außer sich vor Schmerz‘ sind. Liebe im Guten wie im Schlechten ist ein Ausnahmezustand für den Menschen.

MRT – Vorsicht vor Überinterpretationen

Was während dieses Ausnahmezustandes namens Liebe im Gehirn passiert, wurde in den vergangenen Jahren intensiv beforscht. Dabei kamen moderne bildgebende Verfahren wie MRTs (Magnetresonanztomografie) zum Einsatz. Diese bieten den Vorteil, dass sie aufzeigen, welche Region im Gehirn wann wie stark aktiv ist. Allerdings ist es wichtig, sich vor Überinterpretationen zu hüten. Ein Blick in die Gedankenwelt ist dadurch beileibe nicht möglich, auch wenn es auf diesem Gebiet beachtliche Fortschritte gibt. Dennoch helfen diese Verfahren das Verständnis des menschlichen Gehirns zu vertiefen.

Frisch verliebt in die Röhre

Die Anthropologin Doktor Helen Fisher hat sich in ihrer Forschung intensiv mit dem Phänomen Liebe beschäftigt. Sie interessierte sich insbesondere für die Frage, was im Gehirn einer verliebten Person geschieht. Dazu lud sie Verliebtes PaarStudienteilnehmer ein, die zum Zeitpunkt der Studie frisch verliebt waren und legte sie in einen MRT [2]. Währenddessen sahen Studienteilnehmer abwechselnd Bilder ihres Schatzes und Bilder von Freunden und Bekannten.
Die Ergebnisse zeigen ein eindeutiges Bild: Während der Betrachtung des Schatzes zeigten der Nucleus caudatus und das ventrale Tegmentum einen hohen Grad der Aktivierung. Diese Bereiche sind für die Produktion von Dopamin zuständig.

Unterschied zwischen Attraktivität und Liebe

Dopamin – häufig Glückshormon genannt – zirkuliert besonders dann, wenn Menschen eine Belohnung ersehnen oder erwarten. Diese Bereiche sind ebenfalls bei Menschen aktiv, die Drogen konsumieren oder Glücksspiel betreiben. Doch ist Liebe mehr als eine Droge. Bei Die schöne Seite der Liebegenauerer Betrachtung des oben erwähnten Nucleus caudatus zeigte eine kleine Region eine besondere Aktivierung in den Gehirnen Verliebter. Diese Region liegt gegenüber einer weiteren Region, die bei der Wahrnehmung körperlicher Attraktivität besonders aktiv ist. Die Aktivierung dieser Verliebtheitsregion bei gleichzeitig ausbleibender Aktivierung der Attraktivitätsregion beschreibt gut den Zustand verliebter Personen: Die Anziehung und das Verlangen unbedingt bei der Person zu sein gehen über eine reine körperliche Anziehung, die durch Attraktivität begründet ist, hinaus.

Kalter Entzug bei Trennung

Ebenso wird deutlich, weswegen der Liebesentzug – auch Liebeskummer genannt – so schmerzhaft ist. Es ist wie der kalte Gehirn im AusnahmezustandEntzug einer starken Droge. Über die widersprüchlichen Befunde zum Thema Abhängigkeit haben wir an dieser Stelle bereits berichtet. Anders als beim Entzug harter Drogen, stehen Personen, die unter Liebeskummer leiden, dabei jedoch keine Therapeuten oder schmerzlindernde Medikamente zur Verfügung.
Alle beschriebenen Regionen gehören zu den evolutionär ältesten Bereichen des menschlichen Gehirns, die sich dem Bewusstsein entziehen. Das unterstreicht, dass Liebe nicht rational erklärbar ist und Quell der Inspiration vieler Künstler war und ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das verliebte Gehirn ähnliche – aber bei weitem nicht gleiche – Muster zeigt wie ein Gehirn unter dem Einfluss von Drogen. Aus gleichem Grunde ist Liebeskummer so schmerzhaft, er gleicht kaltem Entzug.

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Quellen:

[1] Jankowiak WR and Fischer EF. A cross-cultural perspective on romantic love. Ethnology 31: 149–155, 1992
[2] Aron, A., Fisher, H., Mashek, D. J., Strong, G., Li, H., & Brown, L. L. (2005). Reward, Motivation, and Emotion Systems Associated With Early-Stage Intense Romantic Love. Journal of Neurophysiology, 94(1), 327-337.

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