Wieso fällt es uns so schwer, an Vorsätzen festzuhalten?

Gegen Ende des Jahres beschließen viele Menschen Vorsätze, sei es abzunehmen, regelmäßig Sport zu treiben oder mit dem Rauchen aufzuhören. Doch kaum ist der Kater der Silvesternacht ausgeschlafen, gehen viele dieser Vorsätze in Rauch auf. Wieso fällt es uns so schwer ein gesundes Verhalten an den Tag zu legen? Wie wir den permanenten Verlockungen widerstehen können!

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WillenskraftWenn nach den weihnachtlichen Feiertagen die Hose nicht mehr passt und sich das Gewissen ob der vielen verpassten Gelegenheiten eines winterlichen Waldlaufs zu Wort meldet, beschließen viele Menschen Vorsätze. Im neuen Jahr wird alles besser: Mehr Sport, weniger Essen, weniger Rauchen, endlich den Sprachkurs machen und diese Liste ließe sich fortsetzen. Was kann denn so schwer daran sein, zum Beispiel einfach nicht mehr zu rauchen, man muss doch nichts anderes machen, als keine Zigarette mehr anzufassen. Sind wir Menschen nicht mit großen Gehirnen ausgestattet, die die Konsequenzen unseres Handelns ermessen können? Es sollte doch leicht sein, sich vor Augen zu führen, dass es unvernünftig ist, am Abend noch ein zusätzliches Stück Schokolade zu naschen, obwohl man eigentlich gar keinen Hunger mehr hat, schließlich weiß jeder, dass Übergewicht die Auftritts-Wahrscheinlichkeit vieler Krankheiten erhöht. Wir wissen also, was wir tun sollten, entscheiden uns aber allzu häufig für das, was wir nicht tun sollten.

Menschen leben in der Gegenwart, Vorsätze in der Zukunft

Leben in der GegenwartDie Antwort auf dieses scheinbar paradoxe Verhalten ist das sogenannte Meliorationsprinzip. Dieses Prinzip besagt, dass wir Menschen in der Gegenwart leben und daher Alternativen meist danach beurteilen, was im nächsten Moment für uns vorteilhaft ist. Sehr gut lässt sich dieses Prinzip an folgendem Szenario verdeutlichen: Sie sind unter der Woche auf einer Geburtstagsfeier eingeladen. Sie treffen viele Freunde, trinken ein paar Bier und genießen den Abend. Um am nächsten Morgen einigermaßen ausgeschlafen zu sein, müssten Sie um 23 Uhr aufbrechen. Eigentlich müsste es einem mehr wert sein, den ganzen folgenden Tag fit im Büro zu sein, als noch zwei Stunden in einer Bar zu sitzen. Jedoch denken wir anders: Wir sitzen in der Bar und haben Spaß, die Vorstellung sich im nächsten Moment zu verabschieden, zu zahlen und in die kalte Nacht aufzubrechen ist unattraktiver, als im nächsten Moment noch ein Bier zu bestellen und sich weiter mit seinen Freunden zu unterhalten. Wenn zwei Alternativen miteinander konkurrieren, hat jene Alternative, deren positive Konsequenzen zeitlich weiter entfernt liegen, meist das Nachsehen. Jetzt noch ein Zug an der Zigarette, oder in 30 Jahren eine gesunde Lunge haben? Jetzt noch ein Stück Schokolade essen, oder beim Badeurlaub in drei Monaten eine gute Figur machen?

Wie wir es schaffen, uns an Vorsätze zu halten

Abhilfe gegen unsere menschliche Tendenz, die nahe Belohnung der entfernten vorzuziehen, können verschiedene Techniken schaffen:

  • Implementation Intentions: Wissen-schaftliche Studien konnten zeigen, dass es wirksam ist, sich zu erwünschtem Verhalten 'wenn, dann...'-Sätze zu überlegen. Beispielsweise können Sie sich überlegen, immer wenn Sie einen Aufzug sehen, an den nächsten Badeurlaub zu denken. Nach einer Zeit geht diese Verknüpfung in Fleisch und Blut über und man benutzt häufiger die Treppen.
  • Selbstkontrolle stärken: Um Versuchungen zu widerstehen, bedarf es Selbstkontrolle. Selbstkontrolle kann ähnlich einem Muskel trainiert werden. Dafür eignen sich unter anderem kognitive Trainings, in denen spontane Impulse unterdrückt werden müssen.
  • Realistische Ziele stecken: Bei zu hohen Zielen können Personen schnell Frustration erleben. Daher ist es hilfreich sich Ziele zu setzen, die zwar Anspruchsvoll, aber realistisch sind.

Video: Bereits Kleinkinder müssen lernen, Belohnungen aufzuschieben. Lieber jetzt einen Marshmallow oder später zwei?

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Quellen:

Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54, 493–503.

Herrnstein, R. J., Loewenstein, G. F., Prelec, D. & Vaughan, W. Jr. (1993). Utility maximization and melioration: Internalities in individual choice. Journal of Behavioral Decision Making, 6, 149-185.

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